< Brescia erster „Kracher“ im Stadionbad
26.10.17 05:10 Alter: 50 Tage
Kategorie: Wasserball
Von: Frank von der Fösse

Waspo 98 mit dem nächsten Streich

Seehafer-Sieben ringt auch Brescia nieder


Als Torwarthelfer und zweimaliger Torschütze wertvoll: Darko Brguljan (Foto: Jens Witte)

Die erste Überraschung in der diesjährigen Hauptrunde der Champions League ist perfekt, und diese geschah durch einen deutschen Klub: Das in diversen ausländischen Saisonvorschauen als „weniger aussichtsreich“ eingeschätzte Team der Waspo 98 Hannover schlug nach dem Supercup-Gewinn vom Wochenende nun auch in der Königsklasse des europäischen Vereinswasserballs den italienischen Vizemeister und Vorjahresfünften AN Brescia mit 8:6 (3:1, 2:1, 0:2, 3:2) und reist damit in zwei Wochen mit den ersten drei Punkten im Gepäck zum nächsten Spieltag in Richtung Budapest.

Für Gesprächsstoff ist gesorgt, und dieses nicht nur aufgrund eines weiteren großen Wasserballabends im Stadionbad. Wie schon beim Supercup-Auftritt in Berlin präsentierte sich das seit dem vergangenen Sommer teilweise veränderte Aufgebot der Niedersachsen als ein äußerst kompaktes Team, das sich wenig Blößen gab. „Wir haben besser gespielt als gegen Spandau“, freute sich Trainer Karsten Seehafer über eine Partie, die die Zuschauer in der Tat in den Bann zog. Moritz Schenkel und Julian Real erwiesen sich bei ihrem ersten Auftritt in einem Hauptrundenauftritt erneut als eine sichtbare Bereicherung. Mitentscheidend war aber auch, dass der Niederländer Jorn Winkelhorst sein bisher vielleicht bestes Spiel in den Diensten der Niedersachsen hinlegte.

Beide Teams wirkten in der Spielanlage ähnlich und warteten mit starken Abwehrreihen auf, wobei agile Verteidigungsarbeit im Vorfeld einmal mehr Trumpf war. Die Hausherren erwischten vor 400 Zuschauern dennoch einen Start nach Maß: Aleksandar Radovic per Überzahl und Erik Bukowski von der linken Seite sorgten für eine 2:0-Führung (3.), die von der gut stehenden Abwehr verteidigt werden konnte. Julian Real erhöhte mit einer spektakulären Überzahl kurz vor dem Ende des ersten Abschnitts dann sogar auf 3:0, allerdings brachte dann auch Italiens Olympiamedaillengewinner Christian Presciutti sechs Sekunden vor der Pause den viermaligen Europapokalgewinner erstmals auf die große Anzeigetafel.

Die Mannschaft von Trainer Karsten Seehafer zog allerdings im zweiten Abschnitt ihr Spiel weiter durch und ging mit einem Fernwurf von Julian Real und ein spektakuläres Centertor von Jorn Winkelhorst dann sogar mit 5:2 mit einer Führung in die Halbzeitpause. Gästetrainer Alessandro Bovo wechselte hier seinen glücklosen Torhüter, und Brescia kam jetzt tatsächlich besser in Spiel. Waspo ließ im dritten Abschnitt zwar nur zwei Treffer zu, wobei Olympiastar Darko Brguljan einen Gästewurf in Torwartmanier vor der Linie wegblockte. Allerdings vermochte der Gastgeber in dieser Phasen die wenigen eigenen Chancen nicht zu nutzen, so dass vor dem letzten Anschwimmen eine knappe 5:4-Führung der Lokalmatadoren zu Buche stand.  

Nach der zwischenzeitlichen Torflaute der Gastgeber erhöhte Darko Brguljan dann mit dem ersten eigenen Angriff der Niedersachsen im Schlussabschnitt in Überzahl auf 6:4 (26.), und den Gästen blieb auch in der Folge die Spielwende verwehrt. Den 5:6-Anschlusstreffer der Gäste konterte postwendend Jorn Winkelhorst mit einem weiteren Centertor (ebenfalls 26.). Christian Presciutti ließ einen spektakulären Bogenballtreffer zum 6:7 (30.) folgen, doch Brguljan zwängte auch hier noch in der gleichen Minute eine weitere Überzahl ins Netz. Es war noch nicht das Ende der Partie, doch Moritz Schenkel und die weiterhin agilen Waspo98-Verteidiger ließen sich nicht mehr locken.

Auf dem Weg zum „Final Eight“ im Juni 2018 folgen zwar noch 13 (!) Rundenspiele in dem recht ausgeglichenen Feldder Hauptrundengruppe A, doch nach der Schlusssirene kannte der Jubel keine Grenzen, und einige Beobachter werteten den Sieg als „Meilenstein“. „Es war nicht unser bester Tag, aber Hannover hat verdient gewonnen“, zollte Gästetrainer Alessandro Bovo, als Spieler 1992 selbst Olympiasieger, die Leistung der Hausherren Beifall. „Ohne die Halbzeitpause wäre Brescia gar nicht erst ins Spiel zurückgekehrt“, zeigte sich nicht nur Niedersachsens Rundenleiter Jens Liedtke, einer der regelmäßigen Zuschauer im Stadionbad, von der Vorstellung der Hausherren angetan. Bereits in 14 Tagen geht es in der Königsklasse mit ihrem neuen Spielformat weiter, wenn die Niedersachsen beim OSC Budapest (Ungarn) im ersten ihrer jetzt sieben Auswärtsauftritte gefordert sind.

 

Champions League 2017/2018

Gruppe A, 1. Spieltag in Hannover

Waspo 98 Hannover (GER) – AN Brescia (ITA) 8:6 (3:1, 2:1, 0:2, 3:2)

Hannover: Schenkel – Corusic, Bukowski 1, Real 2, Brguljan 2, Radovic 1, Jokic, Preuß, Sekulic, Estrany, Ban, Winkelhorst 2, Sucic. Trainer: Seehafer
Brescia: Del Lungo (1. – 16.), Morretti (17. – 32.) – Guerrato, C. Presciutti 2, Guidi, Paskovic, Rizzo 2, Muslim, Nora 1, N. Presciutti 1, Bertoli, M. Janovic, Vukcevic. Trainer: Bovo

Schiedrichter: Teixido (ESP)/Peris (CRO)
Überzahl: Hannover 4/7, Brescia 3/11

Mit Dank an Wolfgang Philipps (DWL)

 

 


 
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